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Teamentwicklung

Teamentwicklung im Workshop begleiten

Teamentwicklung im Workshop gelingt, wenn du Teamphasen, Vertrauen und Rollen gezielt moderierst und verbindliche Zusammenarbeit ermöglichst.

16. März 2025 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Im Workshop sagt jemand: „Wir reden seit einer Stunde über Zusammenarbeit, aber eigentlich wissen wir nicht einmal, wer wofür zuständig ist.“ Eine andere Person ergänzt: „Und kritische Themen sprechen wir ohnehin nicht an.“ Das ist kein Zeichen für einen misslungenen Workshop. Es ist ein wertvoller Moment: Das Team benennt, was zwischen ihm und guter Zusammenarbeit steht. Genau hier beginnt Teamentwicklung im Workshop.

Als Moderatorin oder Moderator führst du ein Team nicht im Sinne klassischer Mitarbeiterführung. Du schaffst vielmehr einen klaren Rahmen, in dem die Beteiligten ihre Zusammenarbeit untersuchen, Unterschiede sichtbar machen und tragfähige Vereinbarungen treffen können. Dabei geht es nicht darum, Harmonie herzustellen. Ein gutes Team kann Spannungen ansprechen, Konflikte konstruktiv bearbeiten und Entscheidungen nachvollziehbar treffen.

Von der Gruppe zum Team: Woran du den Unterschied erkennst

Eine Gruppe besteht aus Menschen, die gleichzeitig oder am gleichen Thema arbeiten. Ein Team braucht mehr: ein gemeinsames Ziel, gegenseitige Abhängigkeiten, geklärte Beiträge und eine gemeinsame Verantwortung für Ergebnisse.

In der Workshopmoderation hilft uns diese Unterscheidung, weil sie den Fokus verändert. Statt allgemein über „bessere Zusammenarbeit“ zu sprechen, arbeitest du mit beobachtbaren Fragen:

  • Welches gemeinsame Ergebnis wollen wir erreichen?
  • Wo hängen unsere Aufgaben tatsächlich voneinander ab?
  • Welche Informationen brauchen wir voneinander, um handlungsfähig zu sein?
  • Wer trifft welche Entscheidungen?
  • Wie gehen wir mit Fehlern, Konflikten und unterschiedlichen Einschätzungen um?
  • Woran merken wir in einigen Wochen, dass unsere Zusammenarbeit besser funktioniert?

Ein Team wird nicht dadurch zum Team, dass alle dieselbe Meinung haben. Es wird zum Team, wenn es Unterschiede produktiv nutzen kann und sich auf gemeinsame Arbeitsweisen verständigt.

Teamphasen verstehen, ohne Menschen in Schubladen zu stecken

Das Modell von Bruce Tuckman mit den Phasen Forming, Storming, Norming und Performing kann bei der Vorbereitung sehr nützlich sein. Es beschreibt typische Dynamiken, keine feste Reihenfolge und keine Diagnose für einzelne Personen. Teams können zwischen den Phasen wechseln, etwa nach einer Umstrukturierung, einem Personalwechsel oder einem neuen Projektauftrag.

Forming: Orientierung schaffen

In der Orientierungsphase suchen Beteiligte nach Sicherheit. Sie wollen wissen, worum es geht, was von ihnen erwartet wird und wie der Workshop abläuft. Häufig sind Gespräche zunächst höflich, vorsichtig und eher allgemein.

Als Moderation hilfst du mit Klarheit:

  • Formuliere Ziel, Ablauf und Ergebnis des Workshops sichtbar.
  • Kläre, welche Entscheidungen das Team selbst treffen kann.
  • Vereinbare Gesprächsregeln, etwa Ausredenlassen, konkrete Beispiele und vertraulichen Umgang mit persönlichen Beiträgen.
  • Gib Raum für Erwartungen und Befürchtungen.

Eine einfache Einstiegsfrage lautet: „Was soll nach diesem Workshop in unserer Zusammenarbeit spürbar anders sein?“ Alle schreiben zunächst für sich, danach werden die Beiträge geclustert. So kommen auch ruhigere Personen zu Wort, bevor die Diskussion beginnt.

Storming: Spannungen bearbeitbar machen

In der Konfliktphase werden Unterschiede, konkurrierende Interessen und ungeklärte Erwartungen sichtbar. Das kann sich in offenen Auseinandersetzungen zeigen, aber auch in Ironie, Rückzug oder endlosen Detaildebatten. Für viele Moderatorinnen und Moderatoren ist das unangenehm. Doch ein Team, das Spannungen nicht bearbeiten darf, wird kaum belastbar zusammenarbeiten.

Deine Aufgabe ist nicht, Konflikte rasch zu glätten. Hilfreicher ist es, das Thema vom Vorwurf zur gemeinsamen Untersuchung zu führen. Statt „Wer ist schuld?“ bearbeitest du Fragen wie:

  • Welche Situation erleben wir unterschiedlich?
  • Welche Auswirkungen hat das auf unsere Arbeit?
  • Welche Bedürfnisse oder Erwartungen stehen dahinter?
  • Was brauchen wir künftig konkret voneinander?

Achte auf die Sprache. Aus „Die anderen liefern immer zu spät“ kann werden: „Für meine Planung brauche ich die Informationen bis Dienstag. Wenn sie später kommen, entstehen Zusatzschleifen.“ Das ist überprüfbar und eröffnet Handlungsmöglichkeiten.

Norming: Arbeitsweisen vereinbaren

In dieser Phase entwickelt ein Team gemeinsame Regeln und Routinen. Das bedeutet nicht, dass nun alles konfliktfrei ist. Es bedeutet, dass das Team einen Umgang mit Unterschieden findet.

Moderativ wirksam sind hier kurze Entscheidungsformate. Wenn mehrere mögliche Teamregeln im Raum stehen, lässt du zunächst divergieren: Alle sammeln Ideen und Bedürfnisse. Danach folgt das Konvergieren: Das Team bündelt, priorisiert und entscheidet.

Für die Priorisierung eignet sich Dot Voting. Jede Person erhält zum Beispiel mehrere Klebepunkte und verteilt sie auf die Vorschläge, die für die Zusammenarbeit den größten Unterschied machen. Anschließend prüfst du nicht nur die Mehrheit, sondern auch Einwände: „Kann jede Person diese Vereinbarung mittragen? Was müsste präzisiert werden?“ Bei Entscheidungen, die breite Tragfähigkeit brauchen, ist Konsent oft hilfreicher als ein schnelles Mehrheitsvotum. Es geht dann nicht um Begeisterung aller, sondern um die Frage, ob ein schwerwiegender Einwand besteht.

Performing: Zusammenarbeit reflektieren und nachjustieren

Leistungsfähige Teams brauchen weiterhin Reflexion. Gerade wenn der Arbeitsdruck steigt, fallen Teams leicht in alte Muster zurück. Deshalb gehört die Frage nach Zusammenarbeit in regelmäßige Besprechungen oder Retrospektiven.

Eine knappe Retrospektive kann so aussehen:

  • Was hat in unserer Zusammenarbeit seit der letzten Reflexion gut funktioniert?
  • Wo haben wir unnötig Zeit, Energie oder Vertrauen verloren?
  • Was behalten wir bei?
  • Was verändern wir als kleines Experiment bis zum nächsten Termin?

Wichtig ist die Begrenzung: Lieber eine konkrete Verbesserung vereinbaren und nachhalten als zehn gute Ideen ohne Umsetzung.

Vertrauen im Workshop bearbeiten, ohne es zu erzwingen

Vertrauen ist kein Programmpunkt, den du in einer Übung herstellen kannst. Es wächst, wenn Menschen erleben, dass Aussagen ernst genommen werden, Vereinbarungen gelten und unterschiedliche Perspektiven nicht bestraft werden. Im Workshop kannst du Bedingungen dafür schaffen.

Beginne mit einer passenden Tiefe. Nicht jedes Team braucht sofort persönliche Geschichten oder emotionale Offenheit. Für manche Gruppen ist es wirksamer, zunächst über konkrete Arbeitssituationen zu sprechen: Übergaben, Entscheidungen, Meetings, Prioritäten oder Informationsflüsse.

Eine bewährte Methode ist die Arbeit mit zwei Fragen auf Moderationskarten:

  1. „Was erleichtert mir, im Team offen und zuverlässig zu arbeiten?“
  2. „Was erschwert mir das derzeit?“

Die Beteiligten schreiben anonym oder namentlich, je nachdem, wie sicher die Gruppe bereits ist. Du clusterst die Aussagen gemeinsam, etwa zu Kommunikation, Rollen, Zeitdruck, Entscheidungen oder Umgangston. Dann bearbeitet ihr ein oder zwei Schwerpunkte, nicht alle zugleich.

Wenn Kritik aufkommt, schützt du weder einzelne Personen noch die bestehende Routine. Du schützt den Gesprächsprozess. Das bedeutet:

  • Stoppe Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“.
  • Bitte um konkrete Situationen und beobachtbares Verhalten.
  • Trenne Wirkung und Absicht.
  • Sorge dafür, dass Betroffene antworten können, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
  • Führe von der Analyse zu einer überprüfbaren Vereinbarung.

Vertrauen entsteht auch durch Verlässlichkeit im Workshop selbst. Halte Timeboxing ein, fasse Beiträge neutral zusammen und mache sichtbar, was entschieden wurde. Wer erlebt, dass die Moderation fair und klar arbeitet, beteiligt sich eher auch an schwierigen Themen.

Rollen klären: Nicht Kästchen zeichnen, sondern Zusammenarbeit ermöglichen

Rollenklärung wird oft zu abstrakt, wenn Teams nur Organigramme betrachten. Für die tägliche Zusammenarbeit sind andere Fragen entscheidend: Wer übernimmt welche Verantwortung? Wer entscheidet? Wer wird beteiligt? Wer braucht Informationen? Wo gibt es Doppelarbeit oder Lücken?

Wir arbeiten dafür gern mit einer Rollenlandkarte. Du bereitest ein großes Arbeitsblatt mit einem konkreten Vorhaben oder wiederkehrenden Prozess vor, etwa „Kundenanfrage bearbeiten“, „Projektprioritäten entscheiden“ oder „Release vorbereiten“. Das Team ordnet dann Aufgaben, Entscheidungen und Schnittstellen zu.

Für jede wichtige Aufgabe klärt ihr:

  • Wer übernimmt die Verantwortung für das Ergebnis?
  • Wer arbeitet operativ daran?
  • Wer entscheidet bei Zielkonflikten?
  • Wer muss vorher konsultiert werden?
  • Wer wird anschließend informiert?
  • Welche Vertretung gilt bei Abwesenheit?

Wenn mehrere Personen dieselbe Verantwortung beanspruchen, ist das kein Moderationsfehler, sondern ein wichtiges Ergebnis. Mache die Spannung sichtbar: „Hier sehen wir zwei Erwartungen, die bisher parallel existieren.“ Danach kann das Team eine Entscheidung treffen oder den Punkt gezielt an die zuständige Stelle geben.

Achte darauf, Rollen nicht mit Personen zu verwechseln. Eine Rolle beschreibt einen Beitrag zur Zusammenarbeit. Personen können mehrere Rollen ausfüllen, Rollen können sich verändern. Diese Sicht verhindert, dass die Diskussion zu schnell persönlich wird.

Ein praxistauglicher Workshopablauf

Für einen Workshop zur Teamentwicklung kannst du diesen Ablauf als Struktur nutzen und je nach Team anpassen:

  1. Ankommen und Zielbild: Erwartungen, Anlass und gewünschte Veränderungen sammeln.
  2. Bestandsaufnahme: Zusammenarbeit auf einer Skala bewerten, zum Beispiel von 1 bis 10, und die Gründe dahinter erkunden.
  3. Teamphase reflektieren: Mit Forming, Storming, Norming und Performing als Gesprächsanlass arbeiten: „Was erkennen wir bei uns wieder?“
  4. Schwerpunkt wählen: Themen wie Vertrauen, Kommunikation, Rollen oder Entscheidungen mit Dot Voting priorisieren.
  5. Thema vertiefen: Konkrete Situationen, Auswirkungen und Bedürfnisse bearbeiten.
  6. Vereinbarungen treffen: Wenige, präzise und überprüfbare Regeln oder Experimente formulieren.
  7. Abschluss: Jede Person benennt einen eigenen Beitrag und das Team legt fest, wann es die Wirkung überprüft.

Formuliere Vereinbarungen so konkret, dass Außenstehende erkennen könnten, ob sie umgesetzt werden. „Wir kommunizieren besser“ ist ein Wunsch. „Entscheidungen aus unserem Wochenmeeting dokumentieren wir bis zum gleichen Arbeitstag an einem gemeinsamen Ort“ ist eine Arbeitsvereinbarung.

Typische Moderationsfehler vermeiden

Ein häufiger Fehler ist, zu früh Lösungen einzusammeln. Wenn ein Team sagt, es habe ein Kommunikationsproblem, lohnt sich zuerst die Klärung: Welche Kommunikation fehlt, zwischen wem, in welcher Situation und mit welcher Folge? Erst dann wird deutlich, ob ein neues Meeting, eine klarere Rolle oder eine andere Entscheidungsregel sinnvoll ist.

Ebenso problematisch ist ein zu voller Workshopplan. Teamentwicklung braucht Gesprächszeit. Plane lieber weniger Methoden ein und halte Raum für das, was tatsächlich auftaucht. Methoden strukturieren den Prozess, sie ersetzen keine Auseinandersetzung.

Schließlich brauchen Vereinbarungen eine Rückkehrschleife. Schließe den Workshop deshalb mit einem festen Reflexionspunkt ab. Ohne Nachhalten wird selbst ein engagierter Workshop oft zu einem guten Gespräch ohne Wirkung.

Wer Teams sicher durch solche Prozesse begleiten möchte, findet passende Seminare und Workshops bei uns auf cmt.de.

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